Nichts passt mehr zusammen. So extrem wie Kleist. Die heutige Inszenierung hätte Kleist sicherlich nicht an den Rand der Verzweiflung getrieben, so wie ihm die Umsetzung von Johann Wolfgang von Goethe mit der Uraufführung 1808 doch arg zusetzte. Christian Pade hat es hervorragend verstanden das unter Oberfläche liegende Chaos ans Tageslicht zu bringen. Die Doppelgesichtigkeit wird a la Kleist umgesetzt, der schönes Schein – zerbrechlich, die heilige Ordnung – zerbrechlich, die Liebe – zerbrechlich, Recht und Ordnung, zerbrechlich. Zum Vorschein kommt Lug und Trug, blinde Eifersucht, Eigennutz. Selbst der neutrale Gerichtsrat Walter (Glenn Glotz) wird in den Sog der Blindheit hinein gezogen. Seine ihm am Anfang gegebene Skepsis wird im Laufe des Stückes in den Hintergrund gezogen, kommt aber immer wieder an die Oberfläche. Der Richter Adam (Tobias Beyer) richtet sich am Ende selbst. Zurück bleiben die sprachlosen Beteiligten. Der Verursacher des Chaos hat sich aus dem Staub gemacht und die ach so heile Welt als Scherbenhaufen zurück gelassen…… "Der zerbrochene Krug" – zeitloser geht es nicht…. Das „geordnete“ Chaos – wer bestimmt was Ordnung ist – wer ist für das Chaos zuständig. Da Ordnung und Chaos sich nicht trennen lassen, bleibt die Doppelsichtigkeit. Jeder hat das zweite Gesicht, nur nicht bei jedem kommt es zum Vorschein. Kleist zeigt wie zerbrechlich das Leben ist, oft genügt ein klitzekleiner Riss. Moderne Elemente geschickt eingesetzt – die Zeit verging wie im Fluge.
Christine Stukenborg Blickwinkel Kultur-Magazin 25.10.2008
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Premiere 24.10.2008 20 Uhr im „Der zerbrochene Krug“ Heinrich von Kleist
Inszenierung: Christian Pade Bühne und Kostüme: Alexander Lintl Besetzung: Walter, Gerichtsrat Glenn Goltz Adam, Dorfrichter Tobias Beyer Licht, Schreiber Siegfried W. Maschek Frau Marthe Rull Eva Gosciejewicz Eve Franziska Schubert Veit Tümpel, ein Bauer Detlev Greisner Ruprecht Johannes Flachmeyer Frau Brigitte Susanne Schrader
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E.N.A. European News Agency
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