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"Rienzi" - Foto: Jörg Landsberg



„Rienzi, der letzte der Tribunen“ von Richard Wagner

Premiere am 11.10.2008

Tragische Oper – Komödie – Posse – Ironie – Hang zur Lächerlichkeit

Hohe Erwartungen eilten dem Opernbesuch voraus – eine völlig neue Art der Inszenierung durch Katharina Wagner

Vorwort: Die unten aufgeführte etwas heftige „Kritik“ resultiert aller Wahrscheinlichkeit aus der Verständigungsdiskrepanz zwischen Katharina Wagner und Christine Stukenborg wie man eine solche Oper zeitgerecht umsetzt – wir sind uns nie begegnet dies vorweg….. Zwei sehr unterschiedliche Blickwinkel der Thematik. Der Versuch das Gestern und Heute miteinander zu verknüpfen gelang aus meiner Sicht nicht wirklich. Die Einbringung von modernen Elementen gelang zeitweise sehr gut, wirkte aber zum größten Teil deplaziert. Leider kam weder der ironische Aspekt richtig zum tragen noch konnte ich die Inszenierung weder als Komödie oder Posse sehen. Es war von allem etwas vorhanden, ging aber in der Vielzahl unter – weniger ist manchmal doch mehr. Moderne Elemente, die leider doch mehr den Hang zur Lächerlichkeit fanden als das sie eine gewisse Ironie, Komik oder Tragik widerspiegeln konnten.

Sehr enttäuschte mich die Darstellung des Rienzi durch Mark Duffin. Lag es an der Tagesform, der Ausleuchtung das dieser großartige Sänger sich nicht richtig entfaltete? Oder doch vielleicht an meinem Platz - 16 Reihe Parkett ziemlich an der Seite......... Ein kleiner Lichtblick Adriano (Tamara Klivadenko), die sich gesanglich von Akt zu Akt steigerte. Irene verkörpert von Patricia Andress war anwesend aber nicht weiter „auffällig“. Eine Eigenschaft die von einer Geliebten erwartet wird, aber hier dürfte sie doch noch mehr aus sich heraus kommen… Hoch motiviert der Chor.

Die Darstellung des Blutvergießens wurde hervorragend in Szene gesetzt (Blut, das die Stufen herunter plätscherte). Bei dem Versuch der Frauen das Blut aufzuwischen musste ich unwillkürlich an die Trümmerfrauen denken. (Weiter möchte ich nicht auf den politischen Aspekt eingehen, wenn man bedenkt welcher Fanatiker (Hitler) Rienzi zu seiner Lieblingsoper auserwählt hatte. Die Originalpartitur gilt als verschollen, befand sie sich doch im Besitz eben dieses Fanatikers. Eine Widersprüchlichkeit und ein extrem explosiver Zündstoff, die/der leider auch nach dieser Inszenierung noch immer tief verborgen vor sich hin brodelt……)

Was die Zombies bewirken sollten, blieb mir verschlossen - eine ironische Darstellung des „nicht vollendeten Todes“? – Zombies sind Untote. Ist hier vielleicht der ewige Drang nach Macht gemeint, dessen Umsetzung immer blutig und tödlich endet? Die Gier, Besessenheit, der „Größen“-Wahn stirbt aber nie. Den „Zombies“ war anzusehen - zumindest von mir so aufgenommen – dass sie nicht so recht ihren Platz im Stück gefunden hatten. Das Standbild Roma verwandelte sich von Akt zu Akt immer mehr in eine laszive „Elektra“ Sollte Sie etwa den Zwiespalt, die Gewissensbisse von Adriano und Irene hervorheben? Fragen über Fragen*

Leider wurden bei der Inszenierung durch Katharina Wagner die herausragenden Elemente der Tragik, Komik, Ironie, Posse und des Fanatismus letztendlich nur schwach angedeutet und aus meiner Sicht nicht konsequent zu Ende umgesetzt.

Ich kann hier nur wiedergeben wie die Inszenierung auf mich gewirkt hat, man kann sagen gar nicht bis enttäuschend. Und ich war nicht allein mit diesem Eindruck. Wie mir ***mehrere Pausengespräche auf der Damentoilette (diesmal ging es nicht um das Make-up oder Kleidungsfragen) und im Foyer*** zeigten.

Fazit: Diese Inszenierung wird die Opernwelt spalten – in Begeisterung und Enttäuschung. Und sie wird viele Fragen* aufwerfen – zum Schluss doch noch ein positiver Effekt.

„Groß, tragisch, komisch“ bekommt in dieser Inszenierung eine neue Bedeutung.

„Rienzi“ eine Geschichte von Untergang und Zerstörung. Nicht des mythischen Untergangs, sondern die Darstellung eines historischen Lebenswegs, der in Katastrophe und Opferung im Feuer endet. Ist „Rienzi“ der heroische Versuch, das Volk zu befreien, der in der Vergangenheit fehlschlug, aber nicht unbedingt in der Gegenwart oder in der Zukunft scheitern muss. Vielleicht ist die Erklärung wirklich so einfach. Die Erklärung kann vielleicht am Ende der Oper gefunden werden. Im letzten Akt beschreibt Rienzi, wie er durch Kirche, Volk und Freunde verraten wurde. Ewige Treue findet er nur bei Gott und seiner Schwester („bleibt zweies doch mir ewig treu: Der Himmel selbst und meine Schwester!“). Man sollte die „extreme“ Geschwisterliebe und Irenes Opferung beiseite lassen, ein von Wagner erfundener dramatischer Effekt. Was bleibt, ist „der Himmel selbst“. Liegt hier die Antwort. Eine sehr auffällige Eigenschaft von Rienzis Persönlichkeit ist seine absolute Selbstsicherheit, seine durch nichts zu erschütternde Selbstgerechtigkeit, das Fehlen jeden Zweifels an sich selbst und an dem ihm von Gott verliehenen Auftrag. Rienzi ein Fanatiker wie er im „Buche“ steht.

Anregung zur "Nachbesserung": Filmmaterial wie "Scary movie" oder bleiben wir bei deutschen Produktionen "Der Wixer" und Michael „Bully“ Herbigs Produktionen: (T)Raumschiff Surprise – Periode 1 und z.B. Lissi und der wilde Kaiser als 3D-Animationsfilm oder auch die Märchenstunde auf Pro7 - alt bekannte Märchen neu erzählt
Christine Stukenborg
Blickwinkel Kultur-Magazin

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Richard Wagner (1813-1883)
Rienzi, der letzte der Tribunen

Teile entnommen Klassika – die deutschsprachigen Klassikseiten

Allgemeine Angaben zur Oper:


Titel: Rienzi, der letzte der Tribunen

Titel (englisch): Rienzi, the Last of the Tribunes

Titel (französisch): Rienzi

Widmung: Friedrich August II. König von Sachsen

Entstehungszeit: 1837-40

Uraufführung: 20. Oktober 1842 in Dresden am Königlich Sächsischen Hoftheater unter der Leitung von Carl Gottlieb Reißinger

Besetzung: Soli, Chor und Orchester

Bemerkung: Es war Wagner etwas peinlich, dass sich seine frühe Oper "Rienzi" in seinen späteren Lebensjahren als eines seiner erfolgreichsten Werke erwies.

Personen: Cola Rienzi: päpstlicher Notar (Tenor)

Irene: seine Schwester (Sopran)

Steffano Colonna: Oberhaupt der Familie Colonna (Bass)

Adriano: sein Sohn (Mezzosopran)

Paolo Orsini: Oberhaupt der Familie Orsini (Bariton)

Raimondo: päpstlicher Legat (Bass)

Baroncelli: römischer Bürger (Tenor)

Cecco del Cecchio: römischer Bürger (Bass)

Weitere: ein Friedensbote (Sopran), Adelige, Bürger, Priester, Mönche, Gesandte, Personen der Pantomime

Zur Oper:

Art: Große tragische Oper in fünf Akten

Libretto: Richard Wagner nach dem Roman "Rienzi: The Last of the Roman Tributes" von Edward Bulwer Lytton

Sprache: deutsch

Ort: Rom

Zeit: Mitte des 14. Jahrhunderts

Handlung:

1. Akt:
Rom wird durch die Machtkämpfe der Nobili, besonders der Familien Colonna und Orsini, erschüttert. Das Volk leidet unter ihren Gewalttaten. Als Paolo Orsini versucht, mit seinen Kumpanen die schöne Irene, die Schwester des päpstlichen Notars Rienzi, zu entführen, eilt auf deren Rufe Adriano Colonna mit seinen Freunden herbei. Es kommt zu heftigen Kämpfen, in die sich auch das Volk einmischt. Vergeblich mahnt der päpstliche Legat Raimondo zur Ruhe. Während es Adriano gelungen ist, Irene zu befreien, erscheint Cola Rienzi, dessen Aufforderung, den Kampf zu beenden, sofort befolgt wird.

Staunend sehen Raimondo und die Nobili, wie groß sein Einfluss ist. Er wird vom Volk und den Legaten aufgefordert, endlich sein Versprechen einzulösen, die Macht der Nobili zu brechen. Nachdem Rienzi sich des Beistandes der Kirche versichert hat, verspricht er dem Volk die Freiheit. Er übergibt Irene Adrianos Schutz, weil er sieht, dass sich die beiden lieben und lehnt die angebotene Krone ab. Er will Rom Frieden und neue Gesetze geben.

2. Akt:
Rienzi, Tribun des Volkes, verkündet auf dem Kapitol den Bürgern die Freiheit. Boten bestätigen, dass im Land und in der Stadt Rom Frieden herrscht. Die Nobili haben die neuen Gesetze zwar anerkannt, werden aber durch den Hochmut des Tribunen derart gereizt, dass sie ein Komplott gegen ihn anzetteln, dem er noch an diesem Tag zum Opfer fallen soll.

Rienzi nimmt die Huldigungen der Gesandten entgegen, preist Roms Freiheit und verlangt, dass auch der deutsche Kaiser seine Herrschaft bestätigen soll. Während des folgenden Festes versucht Orsini, den Tribunen zu erdolchen. Die Waffe gleitet aber an Rienzis Panzerhernd ab. Die Verschwörer werden ergriffen und zum Tode verurteilt, schließlich aber auf Adrianos, Irenes und Rienzis Bitten begnadigt. Dieses Vorgehen ergrimmt die Nobili noch mehr, während das Volk an Rienzi zu zweifeln beginnt.

3. Akt:
Der Adel ist aus Rom geflohen und rückt mit seinen Truppen gegen die Stadt vor. Noch einmal gelingt es der Redekunst des Tribunen, die Volksscharen um sich zu sammeln. Adrianos Bemühungen, zwischen den Parteien zu vermitteln, sind vergeblich. Er eilt zu Irene, die ihn abhält, mitzukämpfen. Inzwischen haben Rienzis Anhänger die Auseinandersetzungen für sich entschieden. Der Tribun zieht im Triumph auf das Kapitol. Adriano, dessen Vater im Kampf gefallen ist, schwört Rache.

4. Akt:
Das Volk misstraut erneut Rienzi, der Irene mit Adriano verbunden hat. Es glaubt, der Tribun wolle sich mit den Nobili vergleichen. Auch Deutschland und der Kaiser grollen Rienzi wegen seiner Überheblichkeit; die Kirche zieht sich von ihm zurück. Überdies hat Adriano, als Bürger verkleidet, das Volk gegen den Machthaber aufzuwiegeln begonnen. Man beschließt seine Ermordung. Als der Tribun mit seinen Freunden zum Dankgottesdienst in die Kirche gehen will, tritt ihm Raimondo mit dem Kirchenbann entgegen. Entsetzen erfasst die Menge. Alle wenden sich von dem Gebannten ab, nur Irene bleibt bei ihrem Bruder. Vergebens bemüht sich Adriano, die Geliebte mit sich fortzuziehen.

5. Akt:
Zum letzten Mal versucht Rienzi, bei dem nur noch seine Schwester geblieben ist, das Volk für sich zurückzugewinnen und aus seiner Verblendung zu lösen, noch einmal will Adriano Irene bewegen, mit ihm zu fliehen. Die Menge eilt mit Fackeln und Bränden herbei, um den Gebannten, der in das Kapitol geflüchtet ist, zu richten. Rienzi zeigt sich dem Volk, seine beschwörenden Worte bleiben ohne Echo. Während der Tribun mit seiner Schwester im Flammenmeer den Tod erwartet, stürmt Adriano an der Spitze der Nobili herbei. Als er Irene im Feuer sieht, will er sie retten, doch das Kapitol stürzt über ihm, Irene und Rienzi zusammen. Die Nobilli schlagen auf das führerlos gewordene Volk ein, das seine Freiheit erneut verloren hat.
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"Rienzi" - Foto: Jörg Landsberg




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