Uraufführung 28.11.2008 im Neuen Schauspielhaus in Bremen Nach dem gleichnamigen Film von Fatih Akin - In deutscher und türkischer Sprache
Ludger Vollmer hat mit der Uraufführung seiner Oper „Gegen die Wand“ ein Räderwerk zum Grenz wie Kultur überschreitenden Dialog in Gang gesetzt. Eine geniale moderne wie antike Komposition – ein musikalischer Hörgenuss . im klassischen, barocken wie orientalischen Zusammenspiel nicht nur für Opernfans / -kenner. Allein die Musik bewegt….
Ludger Vollmer sieht seine Oper nicht in Konkurrenz zu dem Film. Bei der Verfilmung steht die Musik im Hintergrund – auf der Bühne spielt sie sich mit in den Vordergrund.
Dies wurde schon dadurch hervorgerufen, dass es nicht den klassischen Orchestergraben gab, sondern die Musiker – zwar im Hintergrund – aber auf gleicher Ebene mit den Schauspielern und dem Extrachor des Theater Bremen agierte.
Die musikalische Umsetzung durch Tarmo Vaask erforderte viel Fingerspitzengefühl, um alle Nationalitäten wie Spielweisen in ein so harmonisches Klangerlebnis zu bringen. Musiker die es gewohnt sind nach Noten zu spielen und Musiker die Ihren Instrumenten die Klänge aus dem Gefühl / dem Gehörten „entlocken“.
Es spielten die Bremer Philharmoniker, Enikö Ginzery (Cimbalorn), Taylan Acar (Mey/Zurna), Malte Stueck (Saz) und Metin Yilmaz (Kaval)
Die Inszenierung wurde durch Michael Sturm in Zusammenarbeit mit Monika Gora (Ausstattung), Günther Grollitsch und Hans-Georg Wegner (Dramaturgie) und den Schauspielern in eine sehr ergreifende und zum Dialog anregende Oper umgesetzt.
Der Dialog fand schon während der Proben unter den Akteuren (verschiedener Nationalitäten) statt.
Besetzung: Sibel Sirin Kilic , Cahit Levent Bakirci, Yilmaz Güner + Hüseyin Can Tufan, Yunus Güner Krzysztof Oskwarek, Nico, Kellner Achim Rikus, Dr. Schiller Johannes Scheffler, Birsen Güner Karin Robben, Selma Martina Parkes, Hochzeitssänger Koray Arslan, Schauspieler Timo Lampka, Tänzerin Angela Kecinski, Tänzer Günther Grollitsch
Die Geschichte in Kurzform: die junge Sibel lernt den „etwas“ älteren Cahit kennen. Beide sind am Leben verzweifelt (Selbstmorversuche) Sibel möchte mit Cahit die Scheinehe eingehen um dem Elternhaus und den Zwängen der Tradition zu entfliehen. Nach längerem zögern willigt Cahit ein. Die Eltern von Sibel sind zwar skeptisch, aber freunden sich mehr oder weniger mit der Hochzeit an. Sibel und Cahit leben zwar zusammen, aber nicht als Mann und Frau. Jeder geht seiner Wege. Langsam schleicht sich die Liebe bei Cahit ein. Sibel ist nicht beriet Ihre gewonnene Freiheit aufzugeben. Erst als Cahit einen Ihrer „Liebhaber“ im Affekt tötet, sieht Sie, welch tiefe Gefühle sich bei beiden eingeschlichen haben. Sie verspricht zu warten….kann dies aber nicht durchhalten und lebt in einer neuen Beziehen mit Kind, als Cahit aus dem Gefängnis entlassen wird. Es kommt noch mal zu einem Wiedersehen……
Die beiden sehr jungen Opernsänger Sirin Kilic und Levent Bakirci haben nach anfänglicher Unsicherheit (war auch durchaus verständlich – bei der Anspannung) stimmengewaltig das Publikum in Ihren Bann ziehen können. Auch an alle weiteren Mitwirkenden ein sehr großes Lob.
Es ist dem gesamten Team gelungen die gläserne Wand zu durchbrechen und den Dialog in Gang zu setzen. Es war ein sehr angenehmer Opernabend, der nicht nur durch sein gemischtes Publikum (Nationalitäten wie auch Altersgruppen) sondern auch durch die Offenheit und Neugierde der Menschen bestach.
Bei dieser Oper ist es wie mit einem guten Buch oder Film – ich werde Sie noch ein 2. Mal hören.
Hoffen wir, dass der Dialog bleibt und zu mehr Miteinander anregt…. Lasst uns mehr auf die Menschen achten und nicht auf die Nationalität. Akzeptieren wir doch unsere Mitmenschen als das was Sie sind – Individuen wie Du und Ich. Nur so kann das Miteinander funktionieren.
Eure stuki
Blickwinkel Kultur-Magazin „Christine Stukenborg“ 29.11.2008
Rezension schreiben
weitere Veröffentlichungen: LIVE-PR
E.N.A European News Agency
|
Gegen die Wand
Die Welt-Premiere dieser Oper am 28.11.08 im Theater Bremen war ganz großes Kino Der Komponist Ludger Vollmer hat großes geschaffen - am Freitagabend wurde die Inszenierung "Gegen die Wand" im Theater Bremen uraufgeführt.
Die dreistündige Aufführung schafft mit den Mitteln der Oper eine eigene Interpretation des dramatischen Kino-Stoffes. Die Umsetzung des Filmstoffes mit all seiner Energie und Brutalität, wird durch die emotionsgeladene, aufwühlende Musik transportiert. Diese Oper ist jedoch keinesfalls eine bloße Kopie des Films, sondern erreicht mit ihren musikalischen Stilmitteln eine völlig neue *Kundschaft* und sensibilisiert diese für die explosive Thematik.
Als bisher eingeschworener Nicht-Operngänger, der die Opernabende seiner Frau, gerne mit einer Pfeife vorm heimischen Kamin geniest, hatte ich mich *freiwillig* zur Welt-Premiere der von Ludger Vollmer geschaffenen Oper "Gegen die Wand" angemeldet. Die Thematik war mir aus Berichten über den Film gleichen Titels bekannt, den ich bis dato leider selber nicht gesehen hatte - - Der Abend versprach interessant zu werden, weniger wegen der gesanglichen Wiedergabe einfacher, teils drastischer verbaler Aussagen, sondern vielmehr aufgrund des Publikums, das ich zu dieser Veranstaltung erwartete.
Sowohl das Publikum wie auch die Inszenierung haben mich in keiner Weise enttäuscht! Stattdessen hat mich die musikalische Aufbereitung, die durch die Türkischen Musiker mit Instrumenten wie Saz und Kaval in Verbindung mit den Bremer Philharmonikern einen ganz speziellen Sound hatte, genauso fasziniert, wie die bilinguale librettale Wiedergabe. Der Minimalismus oder sollte ich eher sagen Purismus des Bühnenbildes, das in den ersten 2 Akten durch eine metaphysische Sanduhr geprägt wurde, lenkt den Besucher automatisch auf die geballt, intensiven Ursprünge der Handlung zurück und zwingt ihn, sich mit den komplexen Bi-kulturellen Schwierigkeiten der Akteure auseinander zu setzen. Gerne gebe ich zu, dass vulgärsprachliche Ausdrücke in gesungener Form eine neue Dimension erhalten, die dann im Anschluss an die Aufführung für einen ernsthaften und tief greifenden Unterhaltungsstoff zwischen mehreren Generationen Türkischer, Deutschtürkischer und Deutscher Besucher führ(t)en. . .
Und mit den so entstandenen Gesprächen zwischen den Besuchern, die weit über die inhaltlichen Details dieser Inszenierung hinausgingen und sich im Foyer des Theater noch stundenlang hinzogen, erreicht die Per *Gegen die Wand* eine soziale und kulturelle Integrationsfähigkeit und birgt somit ungeahnte Möglichkeiten die jeweils andere kulturelle Situation zu verstehen, die weit über den *normalen* Rahmen eines Kulturstückes - oder sollte ich sagen Stückes Kultur – hinausgeht.
Das Theater Bremen hat mit diesem Stück mehrfach Großes geschaffen. Zum einen kulturellen Genuss und viele Dialoge die Menschen unterschiedlicher Kulturkreise näher zusammenbringen.
Danke sagt HWB 30.11.2008
|